Startseite

Kreative Energie ist etwas, das sich viele Wege sucht
und sich, mit ein bisschen Talent, in viele Wege lenken
lässt. Es ist eine Kraft, die den Frühling umtreibt,
Menschen zu Erfindern macht und im Glücksfall auch
die persönliche Lebenswelt durchdringt und bestimmt.
Für mich hat der Umgang mit dem schöpferischen
Element immer zu etwas Natürlichem gehört. Ich habe
nie darum ringen müssen, schöpferisch sein zu können
– jedenfalls nicht im Grundsatz, was vielleicht noch
jeder musische Charakter von sich sagen kann. Immer
sind mir Dinge eingefallen, war ich reich an Phantasie
und der Lust, umzusetzen, wozu irgend ein
wunderliches Bedürfnis mich drängte. Gestaltung,
Kunst, Literatur, Poesie, Musik, Architektur waren
immer Teil meines Lebens. Zuletzt habe ich deswegen
zwischen den Disziplinen wenig Unterschied gemacht
und von Einem fürs Andere gelernt, so gut es ging.
Denn ob man nun malt oder ein Buch schreibt, Design
treibt oder Lieder trällert: überall finden sich
Qualitäten, die rückwirken auf den eigenen Fortschritt.
Es ist eine Gunst.
Es ist ein großes Privileg, von Musen geküsst zu werden
und das zu empfangen, was man „Inspiration“ nennt,
Aber wie schon Goethe (und nicht etwa Schiller) wusste:
Der Großteil von allem ist Fleiß und Transpiration.
Träumer sein ist das eine; aber dem Lieben Gott bei der
Arbeit zur Seite stehen zu dürfen noch etwas anderes.
Man betritt dabei schnell den Bereich des Rituellen, des
Spirituellen, des Tabus – und all die zeitlosen Geistes-
zustände, die Kunst zu einem Elexier werden lässt. Wie
gesagt, es ist ein Privileg, im Anfang der Dinge zu
stehen, dort, wo alles beginnt, im Zentrum der
schöpferischen Energie.
Dass dieser Ort manchmal schwer zu halten ist,
brauche ich niemandem zu sagen, der um die Gipfel
und Abgründe des täglichen Lebens weiß. Manchmal ist
alles im Fluss; aber manchmal gibt es nur Hindernisse,
und man selbst muss sich neu erfinden, um wieder das
Fließen lernen zu können; und sei es auch als Rinnsal.

 

Wechsle Kategorie